Schottland 14.05.2016-03.06.2016

Die Schottlandreise war ein lange gehegter Traum, den ich mir an sich für meine Zeit nach dem Berufsleben als Rundreise Wales-Schottland-Irland vorgenommen hatte. Die Krebserkrankung einer Kollegin brachte mich zu dem Entschluss, Träume nicht auf die lange Bank zu schieben. So machte ich mich Ende 2015 an die Planung der Reise und meldete mich im Schottlandforum an um möglichst viele Informationen zu bekommen und um meine Route vorzustellen, die ich mir für die 3 Wochen ausgearbeitet hatte.
Die Route wurde von allen Schottlanderfahrenen erst einmal zerrissen. 😉 zu viel Programm. Also wurde die Route gekürzt.
Ende 2015 schrieb mich dann ein Mitglied des Forums an. Er sei zur gleichen Zeit – allerdings nur 2 Wochen mit einem Leihmobil in Schottland und ob wir uns denn nicht einmal treffen sollten um zu schauen, ob wir uns eine gemeinsame Reise in getrennten Mobilen vorstellen könnten.
Warum nicht…?
Das Treffen lief gut – Sympathie auf beiden Seiten – und so verabredeten wir uns in Schottland , mit der Option, falls es einem von uns zu viel würde, würden wir ohne Murren und Knurren wieder unserer eigenen Wege gehen.

So ging es dann am 14.05. los :

Samstag 14.05.
Um 8.00 Uhr Abfahrt in Hürth. Ankunft in Rotterdam um 10:45 Uhr. Erst mal den Check in bei P&O in Augenschein nehmen, damit ich schon einmal weiß wo ich hin muss. Dann noch eine Tankstelle suchen um noch ein letztes Mal preiswert volltanken zu können. Auf dem Weg zur Tankstelle entdecke ich Hinweise auf einen Strand und da ich noch Zeit habe, beschliesse ich einen Teil meiner Zeit am Strand bei stürmischem – teils regnerischen Wetter zu verbringen.
17h einchecken auf der Pride of Rotterdam. Jetzt geht’s um die Wurst bzw. um die Katz. Ich möchte nicht, dass Dobby in einen Transportkäfig muss und sie hat die Tollwutimpfung zu spät bekommen- also muss das Tier irgendwie ungesehen reingeschmuggelt werden. Dobby ab in die Tasche und Klappe halten. Beim Zoll haben sie mich gefragt ob ich einen Hund dabei habe. Die Frage habe ich wahrheitsgemäß mit nein beantwortet. – Das hat geklappt.
Die Überfahrt war kalt und stürmisch.


Sonntag 15.05.2016
Aufstehen um 6:00 Uhr – Frühstücken – um 8:00 legen wir in Hull an.
Jetzt schnell runter zu Dobby. Sie hat die Überfahrt gut überstanden. Beinahe haben sie uns bei der Passkontrolle noch erwischt. Also schwups – Dobby wieder in die Tasche gestopft, ein unschuldiges Gesicht gemacht und der Zöllnerin das Bad und den Kleiderschrank gezeigt. Dobby hat sich zum Glück nicht gemuckst.
Dann rein in den Linksverkehr. Das klappt besser als gedacht. Die Fahrt läuft super und so entschliesse ich mich gleich bis Dumbarton Castle mit einer Kaffeepause für Mensch und Tier durchzufahren.
Endlich in Schottlland !!!! Und gar kein schottisches Wetter. Die Sonne scheint 🙂
Am Dumbarton Castle angekommen sehe ich ein altes fürchterlich rauchendes Schiff vorbeifahren. Ein netter schottischer Herr erklärt mir, dass dies eines der letzten xxxx Schiffe ist, die es noch gibt. Ich hab ihn kaum verstanden – schottisch halt.
Dumbarton Castle ist eine trutzige Burg an einen Felsen gebaut. Hier soll William Wallace vor seiner Hinrichtung inhaftiert gewesen sein.


Vom Berg aus hat man eine fantastische Sicht auf die Highlands – schöööön !
Klaus meldet sich und schreibt, dass er einen Stellplatz am Loch Lomont gefunden hat. Da es bis dort nicht mehr weit ist (40km) entschliesse ich mich auch dieses Stück noch zu fahren. Schliesslich ist es erst 15:30. Letztlich habe ich für die 40km dann doch eine Stunde gebraucht, weil ich mich fürchterlich verfahren habe.
Doch jetzt bin ich da. Der Platz hat einen tollen Blick auf den See. Wir haben gut zusammen gespeist und werden sehen was der morgige Tag bringt. Ich durfte eigentlich nicht mehr mit auf den Platz, weil dort maximal 5 Fahrzeuge stehen dürfen. Also werden wir Morgen wohl weiterziehen.
Montag 16.05.2016
6:00 Uhr – wach !
Also gut dann eben aufstehen. Wir wollen ohnehin um 9:00 los zum Loch Katrine.

Klaus scheint auch schon auf den Beinen zu sein und will erst einmal laufen gehen. Ich koche inzwischen Kaffee und mach schon mal Frühstück. Wir frühstücken drinnen, weil es draußen doch ein wenig frisch ist.
Als alles gepackt ist fahren wir los zum Loch Katherine. Dank gemeinsamer Navigation finden wir den Anleger für das Dampfschiff. Inzwischen hat sich die Sonne wieder durchgekämpft und es verspricht erneut ein sonniger Tag zu werden. Parkschein gezogen, Karten gekauft und ab aufs Schiff. Die Räder durften wir leider nicht mitnehmen, da eine große Schülergruppe mit Rädern an Bord war. Also haben wir Hin- und Rückfahrt gebucht. Das Dampfschiff dampft gar nicht, sondern fährt mit Elektromotor. Naja ein bisschen Schwund ist immer. Dafür belohnt die Landschaft mit fantastischen Panoramen. Die Sonne gibt ihr Bestes.
Zurück am Kai beschliessen wir den Weg am See entlang noch einmal mit den Rädern abzufahren. Puh – ganz schön anstrengend, aber wunderschön!!
Am Auto noch ein Äpfelchen und was zu trinken und dann wollen wir weiterziehen Richtung Oban / Castle Stalker. Auf teils sehr engen und kurvigen Straßen geht es – immer schön auf der linken Straßenseite- los. (Die spinnen die Briten und Dobby findet auch das Frauchen spinnt) Die Suche nach einem Zwischenrastplatz gestaltet sich schwierig. Zu viel Input. Landschaft, Linksverkehr, enge Straßen…. schliesslich macht sich nagender Hunger und ein matschiges Gefühl in den Beinen breit. Am Loch Awe finde ich endlich einen Rastplatz und wir freuen uns über einen heißen Kaffee Kekse und Kuchen. Uff!!!
Weiter geht’s einen Campingplatz suchen. Der erste Platz den wir anlaufen ist nicht für Tourer, also drehen wir um und entscheiden uns für einen Platz den wir kurz zuvor im Vorbeifahren gesehen haben. Eine gute Entscheidung.(North Ledaig Caravan Park 16,80 Pfund/Nacht) Ein sehr schöner Platz direkt mit Blick aufs Loch Linneh.
Zum Abendessen gibt es Pellkartoffeln und Sahnehering und anschliessend einen kleinen Strandspaziergang. Das Wetter hat inzwischen zugezogen und für die nächsten Tage ist eher Schottlandwetter angesagt. We will see …
Dienstag 17.05.2016
Der Himmel hat sich zugezogen. Frühstück, zusammenpacken, ver-und entsorgen und dann geht die Tour weiter zum Castle Stalker. Ich hatte gestern Abend schon herausgefunden, dass das Schloß in Privatbesitz ist und nur eine Besichtigung pro Tag möglich ist. Daher wollen wir uns das Gebäude nur von außen ansehen. Dort angekommen, sind wir erstaunt, wie klein das Castle ist. Es liegt jedoch idyllisch auf einer Insel in einer Bucht. So ist die Besichtigung schnell vorbei und wir fahren weiter nach Fort William. Dort fahren wir den Loch Linneh Holidaypark an und mieten uns diesmal für 2 Nächte (wir brauchen mal Pause vom Fahren) einen Platz an. (22,50 Pfund/Tag). Das ist nicht billig, doch der Platz ist sehr schön und wir haben wieder einen Platz mit Sicht aufs Wasser.
Wir beschliessen erst einmal einkaufen zu gehen und wollen uns den Ort noch etwas ansehen. Im Touristburo fragen wir gleich nach Karten für den Jacobite Steam Train und erfahren zu unserer großen Enttäuschung, dass der Zug bis in den Juni ausgebucht ist. Die Einzige Möglichkeit evtl. doch noch an Karten zu kommen ist, dass wir Morgen früh um 8:30 am Bahnsteig stehen und auf Stornokarten hoffen.
Wir laufen weiter durch den Ort, schauen uns das alte Fort an und gehen zurück zum Mobil. Auf dem Rückweg zum Campingplatz gibt es noch Einiges zu entdecken. Wir macht Stopp bei Inverlochy Castle. Eine Burgruine mit ehemals 4 Ründtürmen aus dem Jahr 1280. Der zweite Zwischenstopp ist an der Neptuns Straircase – eine Schleusenanlage am Caledonischen Kanal mit 8 Treppen. Der Caledonsiche Kanal verbindet die Ost- und die Westküste Schottlands.
So ist wieder ein schöner Tag vorbei. Inzwischen hat es angefangen zu regnen, aber das stört uns nicht.
Zum Abendessen wird das eingekaufte schottische Rindersteak mit Kartoffeln und Salat verspeist. Gemeinschaftsproduktion.
Mittwoch 18.05.2016
Heute war für 7:00 Uhr Kaffeetrinken verabredet und dann schnell zum Bahnhof fahren um evtl.
Restkarten für den Jacobite zu ergattern. Als sich um 7:30 bei meiner Reisebegleitung im Auto noch nichts rührte, bin ich mit einem Kaffee nach nebenan und hab mal vorsichtig geklopft. – nix….
Also konsterniert wieder zurück – was tun, wo isser, schläft er noch sitzt er aufm Klo…. – wird doch hoffentlich nichts passiert sein…Also mit dem Kaffee nochmal rüber und heftiger geklopft und siehe da – es lebt – naja noch nicht richtig, aber so ein bisschen. Der Herr hat verschlafen. Ist aber in Windeseile fertig und abfahrbereit.
Um kurz vor halb neun sind wir am Bahnhof und ich stelle mich für die Karten an (bin Erster !) während der Herr noch in die Maske geht und einen Kaffee trinkt.
Das Warten bis 9:00 Uhr zahlt sich aus. Wir bekommen noch 2 Karten und um 10:15 geht’s los. Es dampft und tutet und raucht..


Wir fahren an wunderschönen Landschaften vorbei und können gar nicht genug fotografieren. Zwischenstopp in Glenfinnan und dann die Fahrt über das berühmte Viadukt. Die besten Plätze zum Fotografieren sind heiß begehrt.
Unterwegs müssen wir an einer Steigung aufgeben – we ran our of Steam – und setzen noch einmal zurück. Beim 2. Anlauf klappt es dann und wir erreichen Malaig. 1,5 Std Aufenthalt, eine kurze Besichtigung, einige Fotos und einen fettigen Cheese/Potato Pie später machen wir uns auf den Rückweg. Doch dieser soll sich zeihen. Unterwegs geht uns endgültig der Dampfdruck aus und wir müssen nach 2 erfolglosen Versuchen eine Steigung zu erklimmen auf Rettung durch eine andere Lock warten. Die ganze Aktion kostet uns 2 Stunden und wir erreichen um 18:00 Uhr wieder Fort William.
Der Abend klingt bei 2 Fläschchen Bier und einem separaten Abendessen vor dem Wohnmobil aus. Inzwischen hat sich der morgendliche Regen nämlich verzogen und es ist heiter bis wolkig.
Donnerstag 19.05.2016
Beginnen wir mit dem Wetter. – Schottlandwetter vom Feinsten – es regnet.
Trotzdem soll es einer fantastischer Tag werden.
Wir verlassen Fort William gegen 8:30 h und fahren Richtung Eilean Donan Castle. Die Landschaft auf der Fahrt ist so atemberaubend, dass ich unterwegs mehrmals überlege die Kamera mitlaufen zu lassen. Wir machen ein paar Sightseeing- und einen Kaffeestopp (lekkerer Kaffee in einem „Rasthaus“ mitten in den Highlands)
Schliesslich erreichen wir Eilean Donan Castle. Von Außen ein echtes Highlight. Von innen bin ich ein wenig enttäuscht. Das Schloß wurde während des Jacobitenaufstands fast völlig zerstört und ist Anfang des 19. Jahrhunderts durch einen Mc Lean wieder völlig aufgebaut worden.

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Das Enterieur entspricht der Zeit des Wiederaufbaus und leider nicht dem, was man sich unter einem Highlandercastle vorstellt. Trotzdem viele schöne Fotos geschoßen.
Unser Weg führt uns weiter auf die Isle of Sky. Ursprünglich wollten wir in Portree einen Stopp einlegen und auch evtl. einen Campingplatz aufsuchen, doch zum Glück – wie sich noch herausstellen soll, finden wir keinen Parkplatz und fahren weiter.
Unterwegs wieder ein Halt um die old men of Storr zu besichtigen. Was als kurzer Ausflug angedacht war, entpuppt sich zu einer ausgewachsenen Wanderung auf steinigen Pfaden und im strömenden Regen. Da ich meine Regenhose nicht gefunden habe und auch keine richtigen Wanderschuhe angezogen habe, bin ich bald ziemlich aufgeweicht. Die alten Männer hüllen sich in Nebel….
Trotzdem war es eine schöne Tour und hat riesig Spaß gemacht.
Ein schneller Kaffee zu aufwärmen und nach 5 km finden wir unseren wilden Stellplatz für die Nacht.
Einfach nur – WOW !!!

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Die Landschaft mit Steilküste, Blick auf die Insel Rassay, Schafen, Felsen, Klippen …. nimmt uns völlig gefangen.
Nach einem deftigen Abendessen – heute wurde ich bekocht – wie schön – zieht es uns trotz Regen und Wind wieder nach draußen. Man kann gar nicht so viel aufnehmen wie man sieht und gar nicht genug Fotos machen.
Einmalig !!
Wir lassen den Abend in einträchtigem Staunen bei einigen Gläschen Wein ausklingen.
Freitag 20.05.2016
Wir verlassen unseren schönen Stellplatz um 8:30h und beginnen die heutige Tour in Richtung Uig um das Fairy Glen zu suchen. Dazu beschliessen wir nicht den Weg ganz außen herum zu nehmen, sondern eine Abkürzung über einen Pass.
Als wir in den Pass abbiegen wollen entdecken wir ein Schild, welches anzeigt, dass die Straße geschlossen sei. Während wir beraten was wir tun, nähert sich ein einheimisches Fahrzeug. Wir halten den Fahrer an und fragen was es mit der Sperrung auf sich hat. Und schon stehen wir vor der 2.Hürde des Tages: Der Fahrer ist Schotte und stottert… Irgendwie schaffen wir es zu verstehen, dass offenbar Filmaufnahmen gemacht werden und der Pass nur für eine begrenzte Zeit geschlossen sein soll. Klaus ist für probieren , und ich stimme zunächst mit einem mulmigen Gefühl zu. Also fahren wir los.
Die Landschaft wird immer fantastischer schliesslich findet sich auf der Passhöhe ein Parkplatz, der auf einem Schild eine Wanderung in ein Tal (Quiraing) ausweist. Kurzentschlossen ziehen wir uns unsere Wanderklamotten an und machen uns auf den Weg.


Wir sind erneut vollkommen gefesselt von der unglaublichen Schönheit der Landschaft. Die Weite, das grün der Wiesen – als ob jemand einen grünen Teppich ausgelegt hätte. Und immer wieder Licht und Schattenspiele. Heute ist es wolkig mit Aufheiterungen und die Berge und Wiesen ringsum erscheinen in einem immer neuen Licht. Amazing !!!!
Wir sind ca. 3 Stunden unterwegs und einmal mehr voller Staunen ob soviel Schönheit.
Unterwegs treffen wir ein englisches Pärchen, die uns auch noch den Weg zum eigentlich angesteuerten Fairy Glen beschreiben.
So führt uns unser Weg nach der Wanderung über Uig in ein kleines zauberhaftes Tal, dessen Hügel aussehen wie riesige grüne Ameisenhaufen.
Als nächstes Ziel steuern wir Dunvegan Castle an und kaufen uns nachdem wir am Wohnmobil noch einen Kaffee getrunken haben Karten für den Schlossgarten, da wir beide nicht unbedingt das innere des Schlosses sehen müssen. Wir wandern durch den Schlosspark, die Kamera immer im Anschlag und freuen uns über die schöne Anlage und die Sicht auf das Schloß.
Zurück am Mobil fassen wir den Entschluss, dass es für heute genug ist. Wir sind beide glücklich, aber müde und fahren zum nächstgelegnen Campingplatz in Dunvegan. Dort gibt es leider nur noch Plätze ohne Strom für stolze 16,–Pfund. Doch die Aussicht ist mal wieder schön und so brummeln wir ein wenig, sind aber im Grunde zufrieden.
Am Abend beschliessen wir zum 1. Mal die englische Küche anzutesten und sind positiv überrascht. Das Essen ist sehr gut – wenn auch nicht ganz billig, aber wir haben ja Urlaub und wollen es uns gut gehen lassen. Auch der 1. schottische Whisky findet den Weg in unsere Kehlen (Talisker Strom) – ist jedoch nicht unbedingt weiter zu empfehlen. Wir werden weiter testen.
Nach gemeinsamem Klo ausleeren heißt es für heute gute Nacht !
Samstag 21.05.2016
Der Plan heute lautet um 6:30 aufstehen, frühstücken und dann werden wir die Insel Skye verlassen. Der Name der Insel bedeutet im Übrigen wolkenverhangen- aus dem gälischen abgeleitet. Das Wetter macht der Insel heute alle Ehre. Es regnet was das Zeug hält. Die Cullins liegen im viel berüchtigten Nebel.
Wir fahren über die A890 Richtung Tornapress und biegen dort auf die A896 ab, quer durch den Beinn Bhain Nationalpark. Die Strecke ist teils abenteuerlich und besteht zum großen Teil aus Single Tracks. Die Landschaft einmal mehr grandios.
Im kleinen Örtchen Sheildaig machen wir einen kurzen Stopp, schauen uns den Ort an und wandern ein wenig umher. Auf dem Rückweg zu den Wohnmobilen treffen wir 2 Junge Thüringer die mit alten Simpsons quer durch Schottland knattern. Jeder nach seinem Traum. Aber immer wieder schön zu sehen, wie vielfältig die Art ist, Schottland zu erleben.
Unsere Route führt uns weiter auf der A896 und dann A832 in Richtung Gairloch. Die Gegend nennt sich Wester Ross. Die „Straße“ führt uns vorbei am Loch Maree und die Landschaft ist so wunderschön, dass wir alle paar Kilometer anhalten um zu fotografieren. – So stellt man sich die Highlands vor ! Auf den Parkplätzen treffen wir immer wieder die selben Leute und witziger Weise gleich 2 Pärchen aus der nähren Heimat. Alle sind total begeistert.
Unser Zielcampingplatz in Gairloch (Sands Caravan) liegt ein gutes Stück außerhalb des Ortes, was wir zunächst bedauern, da wir gehofft hatten mit dem einen Pärchen vom Parkplatz dort noch ein Bierchen trinken zu können.
Doch der Platz liegt einmal wieder sehr schön, direkt am Strand und der Preis ist für englische Verhältnisse moderat (14,50 Pfund/Nacht). Inzwischen ist die Sonne wieder da und so geht Klaus noch in den Campingplatzladen um einheimisches Bier zu kaufen und wir lassen es uns erst einmal in der Sonne gut gehen und den Tag Revue passieren. Die Stimmung ist gut.
Nachdem das 1. Bier geleert ist, hält es uns nicht mehr auf den Stühlen und wir gehen zum Strand.IMGP0552
Zum Abendessen serviert Koch Klaus grüne Bandnudeln mit Sahnesauce und Lachs. – Lekker!!
Sonntag, 22.05.2016
Was für ein Tag!
Unser Weg führt uns heute von Gairloch nach Ullapool. Wir nehmen wieder die Küstenstraße und passieren das Loch Ewe. Erneut ein Gänsehautanblick. Weiter geht es auf der A 832 durch ständig wechselnde Panoramen. Beinahe ist man schon froh wenns mal nichts zu sehen gibt. Das Hirn ist fast nicht mehr in der Lage die ganzen Eindrücke zu verarbeiten. Als wir um die Ecke des Loch Brom biegen eröffnet sich ins der Blick auf Ullapool. In der Bucht liegt eine riesige Yacht. Wir parken die Mobile und nehmen die Räder um ins Örtchen zu fahren.


Weiße Häuser stehen in Reih und Glied am Hafen. Wir entern 2 Souveniershops und erstehen, ein Fuge (klebrig süß und fettig) Klaus kauft eine kleine Auswahl Whiskey Miniaturflaschen.
Jetzt haben wir Hunger !!!
Und was isst man? – Fish & Chips. Eine Portion für uns Beide reicht dicke und ist lekker.
Bevor wir zurück zum Mobil fahren, gehen wir noch eine Kleinigkeit einkaufen und dann machen wir uns wieder auf den Weg. Ich dachte wir fahren nach Reiff, doch während der Fahrt, stellt sich heraus, dass der gesuchte Leuchtturm am Point of Stoer steht. So übernimmt Klaus nun die Führung und wir folgen der A855 durch die Cromalt Hills, eine Landschaft die durch 2 Eiszeiten geprägt wurde wie wir durch ein Schild am Straßenrand erfahren. (Deep freeze Mountains)
Leider im Eiltempo vorbei am Loch Assynt, steuern wir auf Stoer zu. Die Straße wird wieder einspurig und schlängelt sich durch felsiges Gelände. Wann sind wir da? Noch lange nicht. Weiter geht’s auf schmalen Wegen durch ein Hochtal immer weiter …
Schliesslich biegen wir nach links ab und sehen den Leuchtturm. So weit dachten wir gar nicht zu kommen, doch wo wir einmal da sind, fahren wir auf den Parkplatz und werden von einer Frau abgefangen. Oh-je denk ich, die schickt uns jetzt bestimmt wieder weg. Aber weit gefehlt. Die Lady ist super freundlich und sagt uns wir sollen den Weg zum Leuchtturm hoch weiter fahren, dort sei Platz zum Wenden und zum Stehen und wünscht uns eine angenehme Nacht.
Oben angekommen haut es uns echt aus den Latschen. Wir stehen direkt am Leuchtturm, das Meer und Klippen zu Füßen in einer Landschaft wie ich sie im Leben noch nicht gesehen habe. Und – wir sind allein !


Kaum zu glauben. Wir bekommen uns gar nicht mehr ein und können unser Glück gar nicht fassen. Die Sonne scheint, es ist relativ windstill und wir sind mitten im Paradies.
Die Stühle raus und erst einmal geniessen.
Nachdem wir uns einigermassen beruhigt haben, machen wir uns was zu essen. Heut gibt’s Kartoffelsalat und Würstchen – draußen – mit Blick aufs Meer und den Leuchtturm und vor uns grasenden Schafen. Das wäre ein Bild für die Werbung.
Nach dem Essen gehen wir ein Stücken und entdecken einen nicht ganz leicht zu erreichenden grasbewachsenen Vorsprung in einer felsigen Bucht. Rechts und links geht’s steil nach unten. Die Kamera klickt unaufhörlich. Plötzlich taucht oberhalb von uns ein Schaf auf, das sich mit einem lauten Möh bemerkbar macht uns uns offenbar extrem interessant findet.

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Agroschaf

Das Tier steuert zielstrebig auf uns zu und wir bekommen es mit der Angst. Wenn uns das Tier nun angreift haben wir ein Problem. Wir haben auf der Klippe keinen Fluchtweg. Klaus geht heldenhaft auf das Schaf zu und vertreibt es. Ich kriege mich vor Lachen nicht mehr ein über das Schaf. Wir vermuten, dass es Klaus grüne Jacke appetitlich fand. Herrlich.
So langsam geht die Sonne unter und es wird wieder empfindlich kühl. Trotzdem kosten wir den Sonnenuntergang bis zum Letzten aus. Und die Kamera macht klick-klick-klick.
148 Bilder allein heute.
Aber so ein schöner Tag!
Jetzt schlag ich mir die Augen zu, der Leuchtturm blinkt und wacht über uns.
Montag 23.05.2016
Heute ist Ausschlafen angesagt. – Auch mal nicht schlecht.
Das Wetter ist so schön, dass wir draußen frühstücken können. Welch ein Luxus!!!
Nach dem Frühstück wird der Wanderrucksack gepackt und die Expedition ins Umland geht los.
Wir erklimmen die umliegenden Hügel und sehen ein Schild zum Old man of Storr. – Was – der war doch auf Skye ??? Ich glaube die Schotten verhonepiepeln uns. Wir folgen in blanker Ehrfurcht der Küstenlinie entlang den Klippen und uns entfleucht, wie kann es anders sein, alle paar Meter ein BOAR.
Nach ca. 2 km sehen wir ihn – den Old Man. Ein riesiger steinerner Finger ragt vor den Klippen empor.
Hier machen wir Rast und legen uns etwas in die Sonne. Gestärkt und ausgeruht sind wir mal wieder einhellig der Meinung, dass wir den Rückweg über die Hügel nehmen möchten. Wir waten durch eine sumpfige Heidelandschaft. Der ultimative Outdoortest für unsere Schuhe. Quitsch,quatsch….
Am höchsten Punkt bestaunen wir ehrfürchtig das Panorama und entdecken in einer Senke ein kleines Loch. Dort wollen wir hin. Gar nicht so einfach. Immer wieder müssen wir Haken schlagen und nicht im Sumpf zu versinken. Aber wir sind hartnäckig und werden belohnt.
Die Uferzone des Sees ist mit schwarzer Lava bedeckt und der See ist ganz flach. Ich beschliesse die Schuhe auszuziehen und ins Loch zu waten. Ein tolles Gefühl – Ich stehe in einem schottischen Loch !!!! Klaus lässt sich auch nicht lange bitten und stürzt sich auch ins klare Nass. Wir taufen den See Loch ElKla und sind glücklich wie kleine Kinder an Weihnachten.

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Nach dem Fußbad, schlängeln wir uns erneut durch die torfig sumpfige Landschaft und beschliessen, der netten Dame vom Parkplatz etwas Umsatz zu bescheren. An der Bank treffen wir 2 deutsche Pärchen die von Schottland auch mal wieder völlig hingerissen sind.
Nun kommt das ultimative Experiment. Es gibt Haggisburger an der Bude. Daran führt uns nun kein Weg mehr vorbei. Und siehe da – es schmeckt ! – auch dem Klaus 🙂
Der letzte Abstecher führt uns heute steil hinunter in eine nahegelegene Bucht die voller riesiger runder Steine liegt. In der Klippe steht ein Schaf, von dem wir zunächst denken, dass es sich verlaufen hat und festsitzt. Doch es scheint nicht unzufrieden denn es frisst und irgendwie wird es wohl dorthin gekommen sein – dann findet es wohl auch wieder zurück.
Mit schottischen Steinen im Rucksack geht es zurück zum Wohnmobil. Noch ein Bierchen mit Blick aufs Meer geniessen und als uns der Wind zu ungemütlich wird, macht Klaus unser Restabendessen fertig, wir schauen uns die Fotoausbeute des Tages an und verabreden uns zum Sonnenuntergang.
Dienstag 24.05.2016
Heute wieder ein organisiertes Aufstehen um 7:00h – Frühstück um 7:30, aber Indoor. Draußen ist es noch zu kalt.
Unser Weg führt uns nach Durness, der nördlichste Punkt unserer Route. Erst einmal wieder eine spannende Singletrack Road, die B869 , weiter auf die A894. Die Sonne scheint, spiegelt sich in den Seen und die Blätter der Birken glänzen in einem silbernen Licht. Erneut ändern sich die Landschaften auf verblüffende Weise. Plötzlich eine weite Mondlandschaft, ein Fluß schlängelt sich durch die Weite. Alle paar Kilometer halten wir an um Fotos zu machen. Wir passieren Dumberg, machen Stopp an einer wunderschönen Steinbrücke, der Ginster leuchtet gelb im Sonnenlicht…

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Als wir uns Durness nähern, bekommen die Seen plötzlich eine türkisblaue Farbe. Unglaublich!
Am Ortseingang von Durness suchen wir uns einen Parkplatz, packen die Rucksäcke und machen uns per Rad auf Erkundungstour. Wir fahren ins Balnakeil Villgae in die Künstlerkolonie. Eine andere Form von Leben. So machen wir uns unsere Gedanken und überlegen, ob Unserseins für diese Art von Entschleunigung geschaffen wäre.
Weiter geht’s zum Strand.

Vor uns tut sich ein weißer Sandstrand mit eben jenem türkisblauen Wasser auf und wir kommen uns vor als seien wir in der Südsee. Ein kurzer Rundgang auf dem Friedhof – ein bisschen morbide muss ja sein… dann binden wir die Räder am Zaun an und laufen los. Strand, Dünen, Wiesen Felsen, Weite….
Klaus erklettert alles was sich erklettern läßt und purzelt übermütig mit einem breiten Grinsen im Gesicht eine Düne hinunter. Wir sind ausgelassen wie Kinder und freuen uns an der Schönheit die uns umgibt.
Rast mit Obst und Möwen an der Klippe und da wir inzwischen schon wieder 3 Stunden unterwegs sind machen wir uns auf den Rückweg – ein wenig Blödsinn eingebaut – zum Mobil.
Heute Abend soll es mal wieder Fleisch geben, also entern wir den ortsansässigen Supermarkt und kaufen Fleisch und Bier und fahren anschliessend zum Campingplatz. Es weht ein scharfer Wind, Dobby mag gar nicht aus dem Auto.
Dennoch setzen wir uns in den Windschatten und geniessen unser nachmittägliches Bier in der Sonne.
Da es am Campingplatz einen Pub +Restaurant gibt werfen wir den Plan mit dem Fleisch kurzerhand über den Haufen, reservieren einen Tisch und gehen duschen – getrennt – 😉
Das Essen ist wirklich gut. Vorspeise ein mit reichlich Whiskey getränkter Haggis, Klaus isst einen gegrillten Seelachs mit Kartofflen und ich einen Highlander Fleischeintopf mit Chips. Noch ein Bier an der Bar und dann schnell wieder ins Mobil. Der Wind lädt nicht zum Verweilen im Freien ein.
Wir schauen uns noch zusammen die Fotoausbeute des Tages an – schööööön ! Dann heißt es wieder gute Nacht mit einer kurzen Schrecksekunde, da Klaus Heizung nicht mehr läuft. Ich vermute, dass das Gas alle ist und so wird noch schnell die Flasche gewechselt. Die Heizung springt wieder an, doch Klaus glaubt nicht, dass sie so läuft wie sie sollte. Für den Fall der Fälle biete ich ihm Unterschlupf bei mir an. Doch entweder läuft seine Heizung oder er friert lieber als unter meine Decke zu kriechen.
Mittwoch, 25.05.2016
Der Tag beginnt wieder einem bereits lieb gewonnenen gemeinsamem Frühstück. Bevor wir wieder aufbrechen schauen wir uns noch die Klippen und den Strand direkt vor dem Campingplatz an, danach wird noch einmal Wasser getankt, Klo entleert und Abwasser entsorgt.
Das Navi wird auf Laig programmiert und dann nimmt Klaus McRoutey oder Routenklaus Fahrt auf. Wir verlassen Durness und umrunden auf der A838 das Loch Eribell. Plötzlich biegt mein Guide in eine „Straße“ ein die mit dem Schild „Road not suitable for caravans „ beginnt. Eine Singleroad von Feinsten. Es geht durch Birkenwälder, rechts und links keine Ausweichbuchten. Hoffentlich kommt uns keiner entgegen. Die Mitte des Weges ist hübsch bewachsen und ich mache mich aufs Schlimmste gefasst.

Aber wie schon so oft zuvor, erweist sich Klaus Entdeckergeist als wahrer Glücksgriff. Wir schlängeln uns mitten durchs schottische Hochland . Weite von Bächen durchzogene Täler öffnen sich umrahmt von den Bergen des schottischen Hochlandes. Wir durchfahren das Strath More, vorbei am Ben Hope. Alle paar Kilometer halten wir an und sind sprachlos. Was für eine Landschaft!! Ich weiß ich wiederhole mich, aber uns fehlen wirklich die Worte. So stellt man sich Schottland vor. Hier und da eine Farm, ansonsten ist das Gebiet aufgrund der Highland Clearances kaum besiedelt. Hier und da kommt und ein Auto, Wohnmobil oder Fahrrad entgegen aber ansonsten Ruhe und unberührte Natur pur. Mitten in der Wildnis taucht eine Steinruine auf. Ein prähistorischer Broch mit Namen Dun Dornaigl, wir wir von einem Schild erfahren. Natürlich müssen wir draufklettern…
das mit dem erwachsen werden ist halt so ne Sache.
Wir rollen weiter, eine Steinbrücke hier, ein kleiner Wasserfall dort …. Schliesslich erreichen wir Lairg. Die größte Stadt die wir seit 7 Tagen gesehen haben. Kurze Beratschlagung – bis Pitlorchy würde es noch 2,5 Stunden dauern, wenn wir zwischendurch nicht anhalten. Das wird uns zu spät. Also sind wir uns, wie so oft einmal wieder einig, das auf dem Weg liegende Dunrobin Castle zu besichtigen. Wir fahren auf der A9 Richtung Golspie und irgendwie macht sich Wehmut breit. Die Straßen sind breit und gepflegt und viel zu zivilisiert und auch Golspie ist recht groß – für schottische Verhältnisse. Der Ort ist schmuck und gepflegt, aber ich möchte am liebsten umdrehen und wieder zurück in die Natur. Das Schloß ist schön und sehr imposant.IMGP1115

Doch für uns nach den Eindrücken der Highlands zu viel. Das Innere des Schlosses, ist pompös und zeugt von der Dekadenz seiner Erbauer (Earls und Dukes of Sutherland). Der Schlosspark mit seiner Geometrie vermag uns auch nicht die Ahs und Ohs zu entlocken die wir in den letzten Tagen so von uns gegeben haben.
Nach der Besichtigung sind wir uns einig, dass wir jetzt einen ruhigen Stellplatz mit Aussicht brauchen. Dobby hat langsam auch die Schnauze voll von dem ewigen Geschaukel und dem rein und raus von Frauchen. Ich bin kurz davor die rote Karte zu bekommen. Dennoch fahren wir noch ein paar Umwege (Mein Kompagnon hat da ein Denkmal on Top of the Hill im Auge, das wir aber per Auto nicht erreichen können) bis wir einen Platz am Loch Flee finden, von dem wir zunächst verhalten begeistert sind. Doch als wir aussteigen entdecken wir Robben direkt vor unserer Nase. Eine Kolonie von bestimmt 40 Tieren fletzt sich faul auf einer Sandbank. Nun macht sich doch wieder Begeisterung breit!

Also Kaffee kochen, Robben gucken und wieder Spaß in den Backen.
Das Abendessen ist wieder eine Gemeinschaftsproduktion. Zur Vorspeise serviert der Chef de Cuisine Leberknödelsuppe die Chefin Gnocchi an Tomaten-Olivensauce und einen frischen Tomatensalat. Zum Nachtisch gibt es noch ein Zitronenjoghurt. Soll mal einer sagen Camping sei primitiv.
Da wir heute den ganzen Tag im Auto gesessen sind, zieht es uns noch einmal an die frische Luft. Robben gucken und am Loch Fleet entlang bis zur Nordsee. Ein schöner Spaziergang der- wie soll es anders sein- wieder mit nassen Füßen endet. Speziell mein linker Fuß landet auf dem Rückweg beim Überqueren eines Baches mitten im Bachbett. Quitsch quatsch, alles voll Matsch. Nur weil Klaus mir nicht geholfen hat – oder ich mir mal wieder nicht helfen lassen wollte? …. 🙂
So müssen wir uns vor dem letzten Gläschen Wein und der abendlichen Besichtigung der Bildausbeute erst einmal wieder trockenlegen.
Ein bewegender Tag voller Eindrücke, unterschiedlichsten Landschaften und einem einträchtigen, ausgelassenen Miteinander.
Danke !
Donnerstag, 26.05.2016
Aufstehen um 6:30 Uhr – ich zumindest. Beim Nachbarn rührt sich noch nichts. Macht nichts. Ich setze schon mal den Kaffee auf , vollbringe die nötigsten Renovierungsarbeiten im Bad und bis ich fertig bin ist auch mein Nachbar auf den Beinen.
Nach dem Frühstück heißt es tschüss Robben. Ich wünsch Euch noch ein schönes faules Leben auf Eurer Sandbank.
Heute nehmen wir mal nicht die kürzeste, sondern die schnellste Route Richtung Pitlorchy. Immerhin haben wir über 210km zu fahren. Daher beschäftigt uns auch die Landschaft nicht in dem Maße wie die letzten Tage. So kommen wir Mittags in Pitlorchy an und steuern, nachdem wir uns unterwegs noch einmal abgesprochen haben ( das klappt alles wie selbstverständlich )
zielgerecht die Edradour Distillery an.

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Am Eingang begrüßt uns ein Herr im Schottenrock und wir fragen brav auf Englisch wann denn die Führungen stattfinden und beraten uns ob wir sofort an einer Führung teilnehmen, oder ob wir erst nachmittags zur letzten Führung wiederkommen sollen. Da meint der Herr im Schottenrock im feinsten österreichischen deutsch, er würde uns nicht zur letzten Führung raten, da nachmittags nicht mehr so viel zu sehen ist. Wir lachen uns halb scheckig. Das ist ja Beschiss…da steht einer im karierten Rock und spricht Alpendeutsch.
OK, wir lassen uns überzeugen und buchen die nächste Führung. Wir lernen einiges über die Whiskeyherstellung und -lagerung und bekommen auch 2 Sorten Whiskey zum Probieren. Einer schmeckt ganz gut, der andere brennt wie Hölle.
Wir kaufen uns noch jeder eine Flasche Creamwhiskey und machen uns auf die Suche nach einem geeigneten Stellplatz. Uns schwebt wieder etwas Abgeschiedenes mit Aussicht vor. Pitlorchy selber ist uns zu touristisch, also müssen wir nicht unbedingt in Stadtnähe bleiben. Doch heute verlässt uns unsere Spürnase etwas und da wir nicht endlos Zeit mit Suchen verplempern möchten, knicken wir ein und fahren den ortsansässigen Campingplatz an. Die Rechnung lässt uns beide einmal tief durchatmen. 24,-Pfund / Person. Das ist der bisherige Spitzenwert und dabei liegt der Campingplatz noch nicht einmal schön und wirkt schrecklich spießig.
So habe ich mir den Platz für unseren letzten Abend nicht vorgestellt. Aber wie gesagt. Ewig rumkurven wollten wir eben auch nicht.
Also stellen wir die Mobile ab – Klaus diesmal ohne Keile !!!! und schnappen uns die Räder. Im Ort setzen wir uns in ein Kaffee und essen 2 lekkere Sandwiches mit Cappucino und dann fragen wir uns durch zum Queens View. Nachdem man uns im Kaffee nicht weiterhelfen konnte, fahren wir ins Tourismusbüro. Eine nette Dame erklärt uns, dass der Weg mit dem Fahrrad sehr gefährlich sei und gibt uns einen Tipp zu einem anderen Viewpoint. Auch diesmal lassen wir uns gerne eines Besseren belehren und machen uns auf den Weg.
Und was soll ich sagen… nach ein paar Kilometern landen wir auf einem Parkplatz direkt an einem Loch, der als Stellplatz wie geschaffen gewesen wäre. Wir ärgern uns einen Wolf und dann spricht Klaus aus, was ich die ganze Zeit schon denke. Sch… auf den Campingplatz und die 24 Pfund, lass uns zurückfahren und die Mobile holen.
Im Eiltempo geht’s zurück zum Campingplatz, noch mal das Klo entleert und dann nix wie zum Loch.
Dort angekommen sind wir glücklich. Die Sonne scheint mal wieder und wir sitzen mit Blick auf Loch Faskally beim Weinchen.

Do. 26.05.2016 Stellplatz am Loch Faskally
Zum Abendessen machen wir uns das Kottelett, das sich als Bacon entpuppt, Pellkartoffeln mit Quark und Salat. Schmeckt ! So langsam macht sich Wehmut in mir breit und die ersten Tränen kullern. Sch….
Die 2 Wochen waren so schön und wir haben bis auf duschen, schlafen und Klo, beinahe keinen Schritt ohne den anderen gemacht und nie das Gefühl gehabt, dass wir uns einengen. Im Gegenteil, wir haben uns perfekt ergänzt und sind uns nicht einmal auf die Nerven gegangen.
Freitag 23.05.2016
Ein letztes gemeinsames Frühstück, die Stimmung ist bei uns beiden gedrückt, ich untermale die Szenerie mit Schniefen und Schneuzen und dann ist der Abschied nicht mehr abzuwenden. Wir haben unsere Sachen gepackt feste drücken Küsschen und dann fahren wir ein letztes Mal gemeinsam los. An der Autobahn trennen sich unsere Wege. Er biegt nach links ab, ich nach rechts, nochmal winken und vorbei ist die schöne Zeit der Zweisamkeit.
Mein Plan ist, Richtung Castle Blair zu fahren, am besten auf einen Campingplatz, damit ich etwas unter Menschen bin und dort 2 Tage zu bleiben um die Highland Games anzuschauen. Am Campingplatz angekommen frage ich erst einmal nach dem Preis – man hat ja gelernt – und siehe da, ich hab gut daran getan. Die Herrschaften wollen 28,–Pfund/Nacht. Das ist mir zu teuer, also beschliesse ich mir doch einen freien Platz zu suchen. Diesen finde ich auch in relativer Nähe des Schlosses, doch der Platz ist mitten im Wald ohne Aussicht und das kommt meiner Stimmung nicht entgegen. Also fahre ich weiter und suche und suche. Rauf und runter, kreuz und quer. Nichts will mir gefallen. Schliesslich entdecke ich ein Straßenschild zum Loch Rannoch.IMGP1215
Da das Rannoch Mor ohnehin noch auf meiner Liste stand beschliesse ich diesen Weg einzuschlagen und finde am Loch auch einen schönen Wiesenplatz unter Bäumen. Hier ist es zwar einsam, aber sehr schön. Das Wetter ist grau heute – passend zur Stimmung.
Nun mache ich das was alle frustrierten Frauen so tun, ich fange an zu putzen. Die Teppiche raus und das ganze Mobil mal durchgefegt und durchgewischt. Was nun? Einen kräftigen Tritt in den Allerwertesten und das Motorrad von der Bühne geholt. Puh – ist das dreckig. Und wo ich schon gerade in Putzlaune bin, wasche ich auch das Moppett noch ab. – Mit Wasser aus dem Loch Rannoch. Jetzt rein in die Klamotten und ein kleines Ründchen drehen. Ich fahre die Straße weiter durchs Moor- also nicht mitten durch, sondern bleibe natürlich auf der Straße. Welch eine karge Ödnis. Aber auch interessant. Die Straße endet an der Rannoch Station.- Davon habe ich doch mal etwas auf YouToube gesehen ! Ist ja witzig.
Da ich hier nicht mehr weiter komme, fahre ich auf der SingleTrack Road zurück. Mir wird auch langsam kalt, so fahre ich noch einmal am Mobil vorbei. Im nächsten Ort, Kinloch Rannoch, habe ich ein Cafe gesehen. Dort gönne ich mir einen Cappucino und ein Shortbread.
Ich fahre zurück zum Mobil und telefoniere per Whatsapp noch einmal mit Klaus. Er ist inzwischen auf der Fähre.
Wir versichern uns noch einmal, dass wir die gemeinsame Zeit wirklich genossen haben und es sauschön war – wars auch wirklich !!!! Gute Überfahrt und komm gut nach Hause.
Nun stelle ich das Motorrad wieder auf die Bühne. Am Abend mache ich den obligatorischen Spaziergang und verziehe mich anschliessend ins Wohnmobil und sortiere und beschrifte unsere Bilder so gut es geht.
Samstag, 28.05.2016
7 Uhr wieder wach. Ich mache mir einen Kaffee und ein halbes Marmeladenbrot. Frühstück allein ist doof!
Klaus hat gestern noch einmal geschrieben und gefragt, ob ich ein Bild von seiner Baumschnitzerei gemacht habe. Habe ich nicht, aber da ich heute ohnehin wieder zurück nach Blair Atholl fahren möchte liegt unser letzter Übernachtungsplatz auf dem Weg und ich verspreche noch einmal vorbei zu fahren und das Foto zu machen.
Ich wähle eine kleine Straße am Loch Tummel entlang, über die Tummel Bridge am River Tummel entlang. Eine ganz schöne Tummelei, aber es lohnt sich mal wieder. Die Straße ist eng und gewunden und der Ausblick wunderschön.
Am unserem Platz angekommen mache ich das Bild und hab nen Kloß im Hals. Nun den Weg zurück, den wir gestern schon einmal gefahren sind. Jetzt bloß nicht sentimental werden!
Weiter geht’s nach Blair Atholl. Dort stelle ich mich erst einmal auf den Parkplatz bei der Touristeninfo und entdecke zu meiner Freude, dass es freies WLAN gibt. So kann ich noch ein paar Nachrichten an die Lieben zu Hause schicken.
Als das erledigt ist, packe ich den Rucksack und fahre erst einmal zum Schloß um mir evtl. schon Karten für das Gathering zu sichern. Ich kaufe mir eine Karte für die Parade heute. Für Morgen gibts die Karten auch erst Morgen. Ich gehe noch schnell was einkaufen und mache mich auf die Wanderung zum Glen Fincastle. Der Weg geht steil bergan und bald wird es mir zu warm. Die Sonne scheint und so kann ich im T-Shirt laufen. Der Weg führt durch einen Birkenwald immer weiter bergan und ich gebe schon beinahe auf. Doch wenn wir eines gelernt haben, dann ist es hartnäckig zu bleiben. So lohnt es sich auch diesmal. Die Waldlandschaft wechselt in eine Heidelandschaft und oben Angekommen entfleucht mir wieder mal ein – Wow!
Ein grandioses Panorama mit Logenblick auf Castle Blair!
Die Kamera bekommt mal wieder Arbeit.


Dann mache ich mich wieder auf den Rückweg, denn um 2.30 PM fängt die Parade an. Noch einen Cappucino an der alten Mühle, zum Mobil das Fahrrad holen, am Infopoint vorbei um Internet zu bekommen, da ich gesehen habe, dass Klaus versucht hat anzurufen. Nach einigen Versuchen erwischen wir uns endlich. Er ist wieder zu Hause und traurig. Er ist immer noch ganz hin und weg von den 2 Wochen. Und das ist schön.
Doch ich kann den Frust gut nachvollziehen. Nach einem solchen Urlaub das Mobil auszupacken ist echt ätzend. Lieber würde man sich gleich wieder reinsetzen und zurückfahren.
Ich verspreche ihn so gut es geht auf dem Laufenden zu halten und eile zur Parade.
Dudelsackmusik und Männer in Röcken mit viel militärischen Gehabe. Wie schön! Die Atholl Highlanders sind die einzige Privatarmee in Europa und 1715 gegründet worden. Begleitet wird sie von der Pitlorchy and Blair Atholl Pipe Band. Ich liebe Dudelsackmusik !IMGP1349
Die Parade ist nach einer dreiviertel Stunde vorbei und ich gehe zurück zum Mobil um mich noch etwas in die Sonne zu setzen. Ich stehe auf einem Schotterparkplatz an einem Fußballfeld.
Leider habe ich heute Abend noch 2 unschöne Begegnungen mit Hundebesitzerinnen. Beide regen sich darüber auf, dass ich Dobby an der Leine vor dem Wohnmobil habe. Die letzte hat ihren Hund nicht unter Kontrolle und der läuft zielstrebig auf Dobby zu. Da ich merke, dass das Hundefrauchen hysterisch wird, ziehe ich Dobby ins Mobil und versuche die Frau zu beruhigen. Doch die flippt völlig aus. Kreischt und schreit noch im weggehen, wir seien hier Gäste und ich soll die Katze nicht rauslassen und wir sollen doch verschwinden.
Das verhagelt mir etwas die Laune. So verziehe ich mich mit Dobby nach drinnen. Ab Morgen sind wir auf dem Campingplatz dann kann sich keiner mehr beschweren.
Mir ist schon aufgefallen, dass die Leute hier nicht so herzlich und aufgeschlossen sind wie im Westen und Norden der Highlands. Sehr wahrscheinlich sind hier schon zu viele Touristen.
Schade.
Sonntag 29.05.2016
Ziemlich lange gepennt heute. Es ist schon 8:15h. Kaffee wird auf später verschoben. Schnell zum Campingplatz, vorher noch eine kurze Whatsapp am Infopoint hinterlassen. Am Campingplatz scheint noch niemand zu sein. Aber warten will ich nicht, um 9:00 Uhr geht das Gathering los.
Die Sonne scheint was das Zeug hält, heute ist ärmellos Tag. Dort angekommen suche ich mir ein Schattenplätzchen, damit Dobby nicht im Mobil verkocht. Schön hier – ob man hier auch übernachten darf? – Nein! Dann fahre ich halt später zum Platz.
Ringsum ein Gedudle und Gepfeiffe – man spielt sich warm. Überall Futter- und Souvenierbuden
Ich hab die Picknickdecke und was zu essen eingepackt und suche mir einen strategisch günstigen Platz.


Das Fest geht los und die kleinen Highlander fangen an. Überall gibt’s was zu sehen. Unter einem Pavillon führen die Mädchen Tänze auf, dann kommen die Schwergewichthighlander und werfen Hammer Bäume und was sich sonst noch so werfen lässt. Zwischendurch kommt die Armee mit den Pfeiffern wieder und mit einem Salutschuß werden die Wettbewerber begrüßt. Zwischendurch Rennen für die Kleinen und Großen und es gibt Highlandwrestling.
Ein kunterbuntes Familienfest für Alle.
So gehen 5 Stunden herum wie im Flug.
Der Campingplatz ist mehr so Marke Laubenpieper, aber ich kann wieder Wasser tanken, entsorgen und Klo wegkippen, suche mir die Route für Morgen aus und lasse den Tag vor dem Mobil mit einem Glas Wein ausklingen.IMGP1504
Montag 30.05.2016
Die Sonne scheint wieder. Kleines Frühstück draußen, dann wieder alles eingeräumt und in Richtung Kinross zum Loch Leven losgefahren. Zurück in die Cairngorms war mir jetzt doch zu aufwändig und wenn es da überall so touristisch ist wie hier, verpasse ich wenig.
Schon komisch, die Einheimischen sind hier nicht mehr so freundlich wie im Norden und auch die Touristen schotten sich mehr ab. Eine ganz andere Atmosphäre.
In Kinross habe ich mir einen freien Platz am Loch Leven ausgesucht. Dort angekommen, sehe ich gleich die ersten Frauchen mit Hund. Das weckt schlechte Erinnerungen …. Ich schleiche ein wenig umher, trete von einem Fuß auf den anderen – jede Menge Hunde und Tagesausflügler. Das gibt nur wieder Stress. Also Dobby, nochmal Zähne aufeinanderbeißen, wir schauen ob wir etwas Besseres finden.
Einmal um den See gekurvt – sorry das Loch – finde ich einen Picknickplatz mit Cafe. Ich gehe rein und frage, ob Übernachten erlaubt ist – ja es ist und bin erst einmal happy.
Um den See führt ein Radweg. Also nehme ich das Rad von der Bühne und mache mich mit Proviant auf die Socken. Aber irgendwie will keine rechte Stimmung aufkommen. Hier sieht es ein bisschen aus wie am Chiemsee. Nichts gegen den Chiemsee, aber in Schottland möchte ich etwas anderes sehen. Ich vermisse die wild raue Atmosphäre der Highlands, die Weite, die Einsamkeit, die Ruhe.
Wieder zurück am Mobil bin ich ziemlich down. Was soll ich denn jetzt heute hier noch machen? Es gibt keine Wege für einen abendlichen Abenteuerspaziergang und überhaupt ist heute alles doof.
Also wieder die Karte rausgewurschtelt, was tun? Bis Edinburgh sind es noch 42km. Das schaff ich heute noch locker – sorry Dobby….
Ich beschliesse bis Mittwoch Morgen in Edinburgh zu bleiben, Dienstag Intensivbesichtigung und dann Mittwoch noch nach Dunbar und Donnerstag halbe Strecke bis Hull zu fahren. Auf dem Weg nach Edinburgh ist auch Glasgow wieder ausgeschildert. Der Anfang unserer Reise kommt mir wieder in den Sinn – ach, was war das schön!
Der Campingplatz in Edinburgh kostet 47,–Pfund für 2 Nächte – fast geschenkt. Aber er ist schön und hier sind auch mal wieder Leute mit denen man quatschen kann.
Stimmung gerettet.
Zum Abendessen gibt’s Maultaschen mit Ei und Salat. Noch nicht mal einen Koch hab ich mehr !!! 😉
Dienstag 31.05.2016
Heute steht ein Ausflug nach Edinburgh an.
Ich mache das Motorrad startklar, gebe die Route zur Forth Bridge ins Navi ein und knattere los.
Ein bisschen aufgeregt bin ich schon. Mit dem Moppett im Linksverkehr durch eine fremde Stadt.
Aber es geht alles gut. Nachdem ich mich an die Routenanweisungen des Handynavis gewöhnt habe – 2x bin ich falsch abgefahren, komme ich in South Queensferry an.
Die Brücken die den Forth überspannen sind einmalig. Rechts die alte Eisenbahnbrücke (125 Jahre alt) in der Mitte die neuere Autobahnbrücke und ganz links, die im Bau befindliche neue Autobahnbrücke. Beeindruckend. South Queensferry ist ein altes Hafenviertel und sehr ruhig und gemütlich. Hier gefällts mir.


Nachdem ich die Brücken von allen Seiten fotografiert habe gehe ich zurück zum Motorrad und erlebe eine Schrecksekunde. Vor lauter Staunen über die Blick bin ich offenbar am Motorrad vorbeigelaufen und befürchte schon, dass man es geklaut hat.
Doch nach weiterem gründlichen Hinschauen steht sie doch noch da wo ich sie abgestellt habe.
Jetzt ab ins Zentrum. Am Charlotte Square (gut merken) stelle ich das Motorrad ab und laufe Richtung Castle Edinburgh. Touristenmassen quälen sich Richtung Schloß und mir vergeht die Lust auf eine Besichtigung. Lieber noch was durch die Straßen laufen und die Stadt auf mich wirken lassen.
Überall ist viel Gewusel. Shop mit kariertem Zeug, Souveniers Dudelsackspielern… Schliesslich habe ich – wie soll es anders sein, die Orientierung verloren. Wo ist denn jetzt der Charlotte Square??? Zum Glück hab ich mein Handy in der Tasche und es hilft mir mich wieder zu orientieren. Ich hab jetzt auch keine Lust mehr auf Menschenmassen und die üblichen Touristenrouten abzulaufen ist auch nicht so mein Ding. So beschliesse ich zum St. Andrews Chair zu fahren. Eine Klippe die am Rande der Stadt emporragt und von der aus man bei diesem Wetter sicherlich eine tolle Aussicht hat. So ist es dann auch. Zwar sind auch hier viele Menschen unterwegs, aber der Blick lohnt sich. Ganz da hinten am Horizont kann ich Berge sehen und bilde mir ein, das seien die Highlands.
Der Weg zurück zum Platz ist bald gefunden und so setze ich mich mit einer Tasse Kaffee in die Sonne. Zum Abendessen verspeise ich die Reste unserer Henkersmahlzeit aus Pitlorchy (Bratkartoffeln mit Quark und Eisbergsalat), mache nach dem Essen noch einen Abendspaziergang durch einen nahegelegnen Park und dann ist der Tag auch schon vorbei.
Mittwoch 1.Juni 2016
Um 6:00h bin ich wach! Da macht sich offenbar der nahende Abschied von Schottland bemerkbar.
Heute ist mein letzter richtiger Schottlandtag.
Die Reise geht weiter nach Dunbar. Mein Weg führt über die A198 vorbei an North Berwick und beschert mir noch den Blick auf den Bass Rock und Tantallon Catsle. Da ist doch mal wieder ein Fotostopp angesagt. Das Wetter ist heute leider ein wenig bedeckt. In Dunbar angekommen stelle ich mich zunächst auf einen Parkplatz und mache mich dann per Rad auf die Suche nach einem geeigneten Übernachtungsplatz. Die Taktik hat sich ja nun bewährt. Und siehe da, nicht weit entfernt gibt es einen netten Picknickplatz direkt oberhalb des kleinen Hafens, mit Blick aufs Meer und die Reste von Dunbar Castle und einer Festung.
Draußen vor den Hafenmauern tobt die Nordsee – wir haben auflaufendes Wasser. Komisch am Atlantik war immer Ebbe… 😉
Also die Kamera geschnappt und erst einmal zu Fuß auf Erkundungstour.

Direkt hinter dem Platz ist eine Grotte oder ein Loch im Fels, durch dass das Wasser hereinspritzt. Möwen nisten im alten Gemäuer, Boote schaukeln im Hafenbecken…. Es ist mal wieder schön und mal wieder anders als alles was wir vorher schon gesehen haben.
Zu Mittag gibt es einen Gedächtnis Obstteller – Klaus sitzt jetzt bestimmt im Büro – igithhh !
Nach der Stärkung setze ich mich aufs Rad -inzwischen scheint auch schon wieder die Sonne – und schlage den Weg in Richtung Leuchtturm ein. Muss einfach sein! Doch unterwegs schneidet mir ein am Meer gelegener Golfplatz den Weg ab. Wie doof! Können die nicht woanders Golf spielen als ausgerechnet an meinem Meer???
Doch ein schmaler Pfad führt am Rande des Golfplatzes vorbei. So nehme ich den Pfad und hoffe, dass mich kein Golfball trifft. Unterwegs lege ich wieder ein paar Fotostopps ein und mache ein paar Selbstportraits und mache mich wieder auf den Rückweg.
Am Mobil gibt’s wieder Kaffee und während ich dort sitze, parkt ein silberner Kastenwagen in kleiner neben mir ein. Ein netter englischer Herr kommt um die Ecke und bietet mir an, mir einen Campingführer für Schottland zu schenken. Ich danke ihm und erzähle, dass ich leider schon auf dem Rückweg bin. Wir kommen ins Gespräch und bestätigen uns gegenseitig wie schön und abwechslungsreich dieses Land ist. Jeden Tag eine andere Tapete – meint auch dieser Herr.
Ich entdecke eine Schottlandfahne in seinem Auto und denke, dass wäre doch eigentlich das rechte Mitbringsel für Klaus. Aber wie soll ich jetzt noch an eine Schottlandfahne kommen? Hier gibt’s keine Läden. So werde ich dreist und frage den netten Herrn, ob er mir seine Schottlandfahne verkauft. Der ist sehr erfreut mir einen Gefallen tun zu können und schenkt mir die Fahne.
Echt nett die Leute hier. 🙂
Außerdem rät er mir noch eine scenic Tour um nach Hull zu kommen. Da meine Karte in Newcastle aufhört, schreibe ich mir ein paar Stichpunkte auf und werde mal schauen ob ich noch Platz für weiteren Input habe.
Kurze Zeit später hält ein Auto neben mir und die Dame spricht mich an, woher ich komme etc. etc. – wieder eine netter Plausch. Hab ich schon gesagt, dass die Schotten freundliche Leute sind?
Am Abend breche ich noch einmal in die andere Richtung auf einen Spaziergang auf. Und wieder bin ich platt wie schön es hier ist. Schroffe Klippen, sanftes Grün, das tosende Meer. Zum Niederknien. Ich bin dankbar das sehen zu dürfen. Kurz zurück zum Mobil – ich hab mal wieder meine Brille vergessen und dann möchte ich den Sonnenuntergang an den Klippen sehen und fotografieren. Auf meinem Weg sehe ich ein paar einheimische Jungs, die mit Neoprenanzug ins Hafenbecken springen. Das geht bestimmt 3-4 Meter in die Tiefe. Ich frage ob Ihnen das nicht zu kalt sei. Sie antworten: „Its de first time of de Year….“ aha! „Do ya wonna se a frontflip?“ Klar will ich!!! Und mache eine Foto. „Lemme see !!!„ Die Jungs sind zufrieden und ich hab meinen Spaß.
An der Klippe stehe ich bestimmt 1,5 Stunden und schaue auf die untergehende Sonne. Ich friere wie ein Schneider, singe mich warm und bin hin und weg. Dann geht die Sonne unter, ich wünsche mir noch etwas und gehe zurück zum Mobil.
Ein schöner Tag – mein letzter erst einmal in Schottland.
Morgen werde ich bis Seaham fahren, das liegt südlich von Newcastle und das ist dann schon England.
Inzwischen sind noch 2 deutsche Mobile angekommen, ich versuche ein Gespräch zu beginnen, doch man scheint nicht interessiert. Ich erfahre nur, dass man gerade angekommen ist und ca 4-5 Wochen Zeit für Schottland hat. Buhuhhhh – wie gemein! Die Gesellschaft zieht sich in ihre Mobile zurück und hat noch keinen Schritt Richtung Hafen oder Mole gemacht. Die Satellitenantenne wird ausgefahren und Ferngesehen – wie kann man nur!
Ich liege im Mobil und schaue aus dem Heckfenster…besser als Fernsehen.
Draußen kreischen die Möwen und ich kann auf den Hafen, die Mole und das vor dem Hafenbecken tobende Meer sehen.
Gute Nacht Schottland.
Donnerstag 2.06.2016
Ich schlafe erst einmal aus. Mich treibt nichts von Schottland weg. Die Sonne scheint wieder. Mit dem Wetter hatten wir wirklich unglaubliches Glück. Das hat mir auch die Dame gestern bestätigt.- wenn Engel reisen 😉
Noch gemütlich draußen mit Ausblick frühstücken und dann heißt es Abschied nehmen. Beim Rausfahren entdecke ich, dass nur 2 Straßen oberhalb des Hafens, die „Einkaufsmeile“ von Dunbar liegt. Dort bin ich gar nicht hingelaufen. Ich war so auf Meer und Felsen fixiert, dass mir das durch die Lappen gegangen ist. Vielleicht bekomme ich hier noch eine Schottlandfahne.
Yep ! Gibts. Also noch eine Flagge gekauft- da hätte ich den freundlichen Herrn gestern gar nicht anschnorren brauchen, aber so hab ich eine schöne Erinnerung.
Die Fahrt Richtung Seaham verläuft ereignislos und so gehen meine Gedanken spazieren. Ich lasse den Urlaub noch einmal Revue passieren, denke, daran was mich im Büro und zu Hause erwartet.
Wie gesagt, die Gedanken schweifen ab….
Mittlerweile habe ich die Grenze nach England erreicht und punktgenau an der Grenze legt sich eine Wolkendecke über den blauen Himmel.
Ich fahre wie geplant bis Seaham und finde problemlos den im Womonet beschriebenen Parkplatz mit Blick aufs Meer.
Da mir die schottische Sonne nun doch gefolgt ist, ziehe ich mir winddichte Klamotten an und mache mich auf die Pirsch. Zunächst schlage ich den Weg Richtung Steilküste ein. Doch die Küste nimmt mich nicht so gefangen wie die in Schottland. Es gibt keine Felsen, keine bunten Blumen auf den Klippen und keinen gelben Ginster mehr. Die Vegetation und der Boden haben eine völlig andere Beschaffenheit. Dass Schottland und England vor langer Zeit getrennte Erdteile waren sieht man hier ziemlich gut.
Nach kurzer Zeit drehe ich um und wende mich Richtung Seeham. Hier führt ein Weg unterhalb der Steilküste entlang. Das Meer tobt und schäumt und es weht ein kräftiger Wind. Wenn das die Wellen für meine morgige Heimfahrt sind ….
Ich wandere- wohin auch sonst – zur Mole mit Leuchtturm und anschliessend noch ein wenig durch das Städtchen. Seeham ist ein typischer Nordsee Küstenort. Touristen tummeln sich am Strand. Die erste Häuserreihe sieht nett und gepflegt aus, doch geht man in das ältere Zentrum, so entdeckt man Leerstand und heruntergekommene Läden.
Nachdem ich so 3 Stunden herumgetapert bin habe ich Hunger. Das Obst heute Mittag reicht mir nicht als Grundlage. So gehe ich in den nächsten Fish&Chips Laden und kaufe mir eine Portion Fish ohne Chips. Der ist leider so fade wie das Städtchen.
So gehe ich zurück zum Mobil und bin froh, als ich aus dem Wind heraus bin. Mir ist schon ganz schwummrig.
Heute gehe ich nicht mehr vor die Tür – oder nur kurz – falls es einen gescheiten Sonnenuntergang gibt 😉
Ich mümmele mich in mein Mobil und mache Kuschelstunde mit Dobby. Der ist draußen auch zu windig.
Freitag 03.06.2016
Um 5:30 ist meine letzt Flasche Gas alle. Das nenne ich mal eine Punktlandung :-). Den Kaffee kann ich mir mit meinem Gaskocher kochen alles ist gut!
Ich bleib noch ein Stündchen liegen, mache mir Frühstück und beschliesse die von dem netten englischen Herrn vorgeschlagene Route Richtung Hull zu nehmen.
So kurve ich über die A19 Storksley, die B1257 Helmsley und Norton bis nach Berverley, quer durch Yorkshire. Die Landschaft ist schön – nicht so schön wie Schottland – wie soll es auch – und die Straßen lenken von unguten Gedanken ab. Leider gibt es wenig Möglichkeiten unterwegs einen Stopp für ein Foto einzulegen. Zwischendurch suche ich einen Campingplatz auf um zu fragen, ob ich mein Klo entleeren kann und bin gespannt was man dafür verlangt. Der Platz heißt Robin Hood und der Besitzer ist ein solcher – er läßt mich die Toilette umsonst entleeren ! Um 12:00 Uhr bin ich in Beverley, suche mir einen Parkplatz etwas außerhalb, damit Dobby nochmal raus kann. Die Arme hat so langsam die Schnauze wirklich voll.
Ich schnalle das Fahrrad noch einmal von der Bühne und fahre ins Städtchen. Dort laufe ich ziellos umher- irgendwie komme ich mir ein wenig verloren vor. Nach ca 1 Stunde beschliesse ich wieder zurück zum Mobil zu gehen und mir dort einen Kaffee zu kochen. Ich räume schon mal die Kleider aus den Schränken in die Taschen, dann hab ich das schon mal erledigt. Meine 100.000 Schuhe wieder zusammensammeln… Das Schuhthema war mal wieder fürchterlich daneben. Aber das ist halt meine Schwachstelle. Immer Angst nicht das passende Paar zu Hand zu haben.
Ich trinke meinen Kaffee aus und mache mich auf den Weg nach Hull. Um 14:30 bin ich am Fährterminal. Das Einchecken beginnt um 15.00 Uhr, aber ich werde noch etwas warten, damit Dobby nicht so lang allein ist. Hier bin ich vor 3 Wochen voller Vorfreude nach Schottland aufgebrochen. Nun geht die Reise, auf die ich mich so lange gefreut habe unweigerlich zu Ende. Ich bin dankbar und traurig. Dankbar, dass ich mir diesen Traum erfüllen konnte, weil alles so gut geklappt hat, keine Probleme mit dem Auto oder sonstiger Technik, über einen Reisegefährten der nicht besser hätte sein können – das Schicksal hat es wirklich gut mit uns gemeint – und traurig, weil die schöne Zeit der Freiheit nun vorbei ist, die Reise nun „nur noch“ eine schöne Erinnerung ist und überhaupt!
Um 16:00 Uhr packe ich Dobby in die Tasche stelle ich mich in die noch kurze Schlange. Zunächst gibt es Nachfragen, weil auf meinem Ticket ein Pet steht. Dies habe ich nicht mitgenommen lüge ich …. Gut dann muss es vom Ticket runter, aber wie. Das dauert ein wenig und als ich endlich froh bin meine Bordkarte und den Zimmerschüssel zu haben, winkt man mich raus zur Sicherheitskontrolle. Schlagartig ist mein Puls auf 200 !!! Sch…. jetzt erwischen sie mich bzw. Dobby. Ich werfe schnell ein Handtuch über Dobbys Tasche und versuche ein unschuldiges Gesicht zu machen. Das scheint mir gut zu gelingen. Die Beiden Prüfer, die zunächst angekündigt haben, sie müssten nun in und unter mein Auto schauen sind ebenso hilflos wie ich. Sie machen von außen die Tür der Nasszelle auf, trauen sich jedoch zum Glück nicht, das Auto zu betreten und Dobby verhält sich auch ruhig. Noch einmal die Motorhaube auf, eine kurze Leibesvisitation- ich hab nur den Stein vom Kiesstrand in der Hosentasche und dann bin ich durch. Ufff !!!!
Dobby muss noch beinahe 2 Stunden in der Tasche verbringen bis wir endlich auf der Fähre sind. Das nimmt sie nun nicht mehr so gelassen hin und kratzt und maunzt in der Tasche rum. Sorry Dobby.
Ich gebe ihr zu fressen, mache alle Luken dicht, puschel sie noch einmal und dann suche ich meine Kabine. Duschen, fönen, schminken und ich seh wieder wie ein Mensch aus. Jetzt erst mal ein Bierchen und von den letzten Pfund werde ich mir heute ein Abendessen leisten. Hab nämlich erst ein Pappbrötchen, einen Apfel und eine Banane gegessen heute.
Das Abendessen ist furchtbar ! Naja einen versuch wars wert. Ich gehe wieder nach draußen und schaue zu wie wir ablegen. Richte den Blick noch einmal in die Richtung in der ich die Insel Skye und die Highlands vermute …IMGP1837

Ein Gedanke zu “Schottland 14.05.2016-03.06.2016

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